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Netzwerkeffekt
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Der Netzwerkeffekt (auch NetzwerkexternalitĂ€t; englisch economies of networks) ist in der Volkswirtschaftslehre ein externer Effekt, der die VerĂ€nderung des Nutzens aus einem Produkt oder einer Dienstleistung fĂŒr einen Verbraucher beschreibt, wenn sich die Anzahl anderer Verbraucher desselben oder komplementĂ€rer Produkte oder derselben Dienstleistungen Ă€ndert.

Contents

‱ Geschichte
‱ Arten
‱ Ursachen
‱ Lerneffekte
‱ Siehe auch
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Allgemeines

Wie der Begriff bereits suggeriert, tritt dieser Effekt bei Netzwerken auf. Ein Netz oder Netzwerk wird in diesem Kontext (informationsökonomisch) als eine Zusammenfassung von Benutzern oder Teilnehmern eines bestimmten Produktes oder kompatibler Technologie bezeichnet.cite-ref-1[1] Die GrĂ¶ĂŸe eines Netzwerks zu einem bestimmten Zeitpunkt wird als installierte Basis bezeichnet. NetzeffektgĂŒter oder Netzprodukte werden GĂŒter bzw. Produkte genannt, die Netzwerkeffekten unterliegen. NetzeffektmĂ€rkte bezeichnen die MĂ€rkte, auf denen der Effekt vorhanden ist.cite-ref-wiedemer-2-0[2] Hinreichend große Netzwerke wie im Verkehrswesen das Straßen-, Schienen-, Wasserstraßen- und Luftstraßennetz, im Energiesektor die Versorgungs- (Gasnetz, Stromnetz, Trinkwassernetz, Kanalisation) und Verbundnetze sowie in der Telekommunikation die Telekommunikationsnetze (Datennetze, Mobilfunknetze, Rechnernetze, Telefonnetze und Verteilnetze) erfordern eine stetige Überwachung mit dem Ziel einer hohen VerfĂŒgbarkeit bei optimaler Netzlast und Minimierung von Netzstörungen.cite-ref-3[3] Netzwerkeffekte entstehen dabei in realen und virtuellen Netzwerken durch eine steigende Anzahl von Benutzern.cite-ref-4[4]

Ein Netzwerkeffekt ist in der Netzwerkökonomie vorhanden, wenn der Nutzwert von in einem Netzwerk ausgetauschten GĂŒtern, Dienstleistungen oder Informationen mit zunehmender Mitgliederzahl zunimmt.cite-ref-5[5] Der Netzwerkeffekt gehört in der neoklassischen Volkswirtschaftslehre zu den externen Effekten.cite-ref-wiedemer-2-1[2] Er beschreibt, wie sich der Nutzen aus einem Produkt fĂŒr einen Konsumenten Ă€ndert, wenn sich die Anzahl anderer Konsumenten desselben Produktes bzw. komplementĂ€rer Produkte Ă€ndert. Demzufolge ist der Produktnutzen eines Konsumenten abhĂ€ngig von der gesamten Benutzerzahl. Diese Nutzenbeeinflussung ist dem Konsumenten generell nicht bewusst. Der Netzwerkeigner nimmt im Allgemeinen diesen Effekt wahr und handelt, um den Nutzwert seines Netzwerks zu steigern. Die entstehende NutzenĂ€nderung wird nicht bzw. nur teilweise ĂŒber den Marktpreis abgegolten. Netzwerkeffekte sind externe Effekte, die den Einfluss eines Wirtschaftssubjektes auf andere betreffen und nicht dem Preis- oder Marktmechanismus unterliegen.cite-ref-6[6]

Der Effekt entsteht, wenn die Zahlungsbereitschaft eines Wirtschaftssubjektes von der Zahl der Nutzer dieses Produktes abhÀngt. Dies impliziert, dass die Nachfrage eines Wirtschaftssubjektes von der Nachfrage anderer abhÀngig ist.cite-ref-7[7]

Geschichte

Die ersten Netzwerkeffekte gab es im Rundfunk und bei der Telefonie. Ist nur ein Teilnehmer im Telefonnetz angeschlossen (wie 1877 zu Beginn der Telefonie), hat er hohe Kosten und keinen Nutzen, denn er kann – außer der Telefongesellschaft – niemanden anrufen.cite-ref-8[8] Gibt es vier Nutzer N {\displaystyle N} , sinken die Kosten fĂŒr jeden, und der Nutzen und Wert V {\displaystyle V} steigt:

4 ( 4 − − 1 ) = 12 {\displaystyle 4(4-1)=12} oder
N ( N − − 1 ) = N 2 − − N {\displaystyle N(N-1)=N^{2}-N} .

Im Fall eines Telefonnetzes ist es sinnvoll, auf Zweierverbindungen abzustellen. Die Zahl möglicher Zweierverbindungen betrÀgt dann:cite-ref-9[9]

N ( N − − 1 ) 2 = N 2 − − N 2 {\displaystyle {\frac {N(N-1)}{2}}={\frac {N^{2}-N}{2}}} .

Netzwerkeffekte fanden zum ersten Mal grĂ¶ĂŸere Beachtung durch Theodore Vail, dem ersten PrĂ€sidenten des US-amerikanischen Telekommunikationskonzerns Bell Telephone. Sein Ziel war es, Bell-Telephone in den USA mit Hilfe von Netzwerkeffekten zu monopolisieren.cite-ref-10[10] Im Jahr 1908, als er das Konzept im Jahresbericht von Bell Telephone vorstellte, gab es mehr als 4000 lokale und regionale Telefonzentralen, von denen durch den Einfluss des Netzwerkeffekts die meisten schließlich zum Bell-System gehörten.

Zu den BegrĂŒndern der Netzwerktheorie zĂ€hlt Jeffrey Rohlfs. Er untersuchte positive ExternalitĂ€ten bei der VergrĂ¶ĂŸerung von Kommunikationsnetzwerken und analysierte 1974 formal das Konzept der kritischen Masse.cite-ref-11[11]cite-ref-12[12]

Die ökonomische Theorie des Netzwerkeffekts wurde zwischen 1985 und 1995 von den Forschern Michael L. Katz, Carl Shapiro, Joseph Farrell und Garth Saloner fortgefĂŒhrt.cite-ref-13[13] 1993 wurde das Metcalfesche Gesetz, benannt nach Robert Metcalfe, veröffentlicht, um Netzwerkeffekte gemeinverstĂ€ndlich darzustellen.

Ende 2008 stellte Rod Beckstrom erstmals das von ihm entwickelte Beckstrom’s law vor, welches eine Möglichkeit beschreibt, den tatsĂ€chlichen Wert eines Netzwerks zu ermitteln: „The value of a network equals the net value added to each user’s transactions conducted through that network, summed over all users.“cite-ref-14[14]

Arten

ZunÀchst ist zu unterscheiden zwischen dem direkten und indirekten Netzwerkeffekt.cite-ref-15[15]

Direkter Netzwerkeffekt
Je mehr Benutzer in einem Netzwerk auf einer Marktseite vorhanden sind, umso nĂŒtzlicher empfindet jeder einzelne Benutzer dieser Marktseite dieses Netzwerk. Je mehr BerufstĂ€tige beispielsweise LinkedIn benutzen, desto grĂ¶ĂŸer wird ihr Nutzen, weil mehr Kontakte auch mehr Informationen ĂŒber offene Stellen beinhalten können.
Indirekte Netzwerkeffekte
liegen vor, wenn der Nutzen einer Marktseite auch von der Anzahl der Benutzer auf der anderen Marktseite abhĂ€ngig ist. Bei LinkedIn ist der Nutzen von Unternehmen und Personalberatungen umso grĂ¶ĂŸer, je mehr BerufstĂ€tige registriert sind.

Direkte Netzwerkeffekte sind dadurch gekennzeichnet, dass der Nutzwert eines Netzwerks mit der Anzahl seiner Benutzer steigt, weil es zunehmend mehr potenzielle Kommunikationspartner bereithĂ€lt.cite-ref-16[16] Indirekte Netzwerkeffekte sind charakteristisch fĂŒr Systemprodukte mit Lock-in-Effekt. Wer sich fĂŒr einen DVD-Player als WiedergabegerĂ€t entscheidet, muss auch DVDs als DatentrĂ€ger erwerben, da Videokassetten hierauf nicht abspielbar sind.

Außerdem gibt es positive und negative Netzwerkeffekte:cite-ref-17[17]

positiven Netzwerkeffekt
er erhöht Verbreitung eines Produktes und kommt sowohl dem Produzenten (Betreiber des Netzwerks) als auch dem Konsumenten zugute.
negativer Netzwerkeffekt
wenn ein Netzwerk durch die Vielzahl der Benutzer ĂŒberlastet ist oder diese mehr Werbung als störend empfinden.

Beide Hauptarten kommen auch kombiniert vor: So gibt es direkte positive und negative sowie indirekte positive und negative Netzwerkeffekte. Positive Netzwerkeffekte werden dem Verursacher nicht ĂŒber den Marktpreis abgegolten, negative werden ihm nicht angelastet.cite-ref-18[18] Im Anfangsstadium eines Netzwerks nimmt der Nutzen fĂŒr die Benutzer zu, und die positiven Netzwerkeffekte ĂŒberwiegen. Soziale Netzwerke wie Twitter und Facebook profitieren von positiven Netzwerkeffekten steigender Benutzerzahlen. Nach Erreichen und Überschreiten der kritischen Masse ĂŒberwiegen jedoch die negativen Effekte.cite-ref-19[19] Netzwerkeffekte können bei zunehmender Teilnehmerzahl auch negativ ausfallen, wenn die Existenz anderer Teilnehmer den Nutzen fĂŒr den Einzelnen verringert:cite-ref-20[20] Mit zunehmender Zahl der Verkehrsteilnehmer im Straßennetz erhöht sich – bei konstant bleibendem Verkehrsnetz – die Verkehrsdichte, so dass es zu Verkehrsstaus und anderen Netzstörungen kommen kann. Steigen die Benutzerzahlen und Datenmengen in Rechnernetzen, werden die Server ĂŒberlastet, so dass sich die Antwortzeiten verlĂ€ngern. Wird mithin die kritische Masse ĂŒberschritten, sind die Netzwerkeffekte negativ. Das Netzmanagement muss deshalb auch dafĂŒr sorgen, dass die durch eine ĂŒberhöhte Netzlast bedingten Netzstörungen durch eine Erhöhung der NetzkapazitĂ€ten beseitigt werden.

Bei 1 : 1 {\displaystyle 1:1} -Netzwerken haben die Mitglieder jeweils eine Beziehung zum Netzbetreiber, sind aber nicht untereinander vernetzt (etwa Rundfunkveranstalter und Hörfunkteilnehmer; englisch one-to-many). Bei 1 : n {\displaystyle 1:n} -Netzwerken sind die Mitglieder auch untereinander verbunden (Dienste der sozialen Medien wie Facebook oder Instagram; englisch many-to-many).

Direkte Netzwerkeffekte

Die konventionelle Definition direkter (auch horizontaler) Netzwerkeffekte stammt von Katz/Shapiro (1986). So sei der Nutzen, den ein Verbraucher aus einem Gut zieht, von der Anzahl anderer Verbraucher des Gutes abhĂ€ngig. Die GrĂ¶ĂŸe des Netzwerkes hat direkt Auswirkungen auf den Nutzen der Netzwerkteilnehmer.cite-ref-21[21] Der Nutzen, den ein Verbraucher aus dem Konsum eines Gutes erhĂ€lt, ist zentral fĂŒr die Kaufentscheidung. Der Nutzen wird determiniert aus den Faktoren Basisnutzen T {\displaystyle T} und NetzwerkgrĂ¶ĂŸe N {\displaystyle N} . Der Basisnutzen T {\displaystyle T} entspricht den persönlichen Anforderungen an ein Gut. Daraus ergibt sich:

U i = U i ( N , T ) {\displaystyle U_{i}=U_{i}(N,T)} mit U i ( N , T ) < U i ( N â€Č , T ) {\displaystyle U_{i}(N,T)<U_{i}(N',T)} fĂŒr N < N â€Č {\displaystyle N<N'} .

Durch jeden neuen Netzwerkteilnehmer erhöht sich im Allgemeinen der Gesamtnutzen. Jeder zusĂ€tzliche Nutzer des Netzwerks erhöht die Anzahl möglicher Verbindungen und damit die Anzahl der potentiell erreichbaren Nutzer. Der Nutzen steigt infolge des Eintritts eines neuen Teilnehmers ĂŒberproportional an, da der hinzukommende Nutzer mehr Nutzen einbringt als er selbst erhĂ€lt.cite-ref-unikl-22-0[22]

Der neue Nutzer baut mehr Verbindungen auf als sein VorgÀnger. Eine Verbindung besteht zwischen den Netzknoten des Netzwerks. Die Summe möglicher Verbindungen F {\displaystyle F} folgt aus:

F = ∑ ∑ n = 1 N ( n − − 1 ) = N ( N − − 1 ) 2 {\displaystyle F=\sum _{n=1}^{N}(n-1)={\frac {N(N-1)}{2}}} mit n = 1 , 
 
 , N {\displaystyle n=1,\ldots ,N} .

Bei großen Netzwerken dominiert der Term: N 2 2 {\displaystyle {\frac {N^{2}}{2}}} . Theoretisch können die ErtrĂ€ge mit steigender NetzwerkgrĂ¶ĂŸe fĂŒr die Nutzer steigen, fallen oder konstant bleiben.

Die Überlastung eines Mobilfunknetzes ist ein Beispiel fĂŒr negative direkte Netzwerkeffekte, in denen die ErtrĂ€ge fallen. Durch die Überlastung ist es nicht mehr möglich, Telefonate oder SMS zu tĂ€tigen. Mithin sinkt fĂŒr den Netzwerkteilnehmer sein Nutzen gegen Null. Die Funktion des Mobilfunknetzes, mit anderen Netzwerkteilnehmern in Verbindung zu treten, ist nicht mehr gegeben. Im Fall konstanter Netzwerkeffekte sind auch die SkalenertrĂ€ge konstant. Bei wachsenden direkten Netzwerken können die Vorteile positiver Netzwerkeffekte als SkalenertrĂ€ge auf der Nachfrageseite gekennzeichnet werden.cite-ref-unikl-22-1[22]

Direkte Netzwerkeffekte liegen insbesondere in Kommunikationsnetzwerken vor, mittels welcher Menschen direkt miteinander kommunizieren.

Indirekte Netzwerkeffekte

Indirekte (auch vertikale) Netzwerkeffekte entstehen, wenn der Nutzen nicht direkt auf das Produkt zurĂŒckzufĂŒhren ist, sondern auf die Nutzung darauf basierender Anwendungen bzw. Produkte. Das bedeutet, dass die Nutzenbeeinflussung nicht zwingend durch eine direkte Beziehung entsteht. Ein vertikales Netzwerk besteht aus unterschiedlichen komplementĂ€ren GĂŒtern. Der Nutzen entsteht durch das ganze System, nicht durch ein einzelnes Gut oder einzelne Komponenten des Netzwerks.

Am Beispiel eines Personal Computers wird dieser Effekt deutlich. Betriebssystem, Hardware und Anwendungssoftware sind Komponenten, die fĂŒr den Gebrauch des Computers unabdingbar sind. Erst wenn alle Komponenten vorhanden sind, entsteht ein voll funktionsfĂ€higes Netzwerk. Die Komponenten beeinflussen sich gegenseitig. Es gibt mehrere Anbieter der Komponenten.cite-ref-uniklt-23-0[23] Indirekte Netzwerkeffekte sind ĂŒberwiegend positiv, da sie den Nutzen des Basisprodukts stĂ€rken.

Die wesentlichen Ursachen indirekter Netzwerkeffekte sind komplementÀre Produkte und Dienste sowie Lerneffekte.

Netzwerkgesetze

FĂŒr Netzwerkeffekte gibt es – in chronologischer Reihenfolge – drei wesentliche empirische Gesetze. Geht man von Benutzern N {\displaystyle N} eines Netzwerks aus, so wird sein Wachstum – je nach dem zugrunde gelegten Gesetz – zwischen einem Benutzer ( N = 1 {\displaystyle N=1} ) und sechs Benutzern N = 6 {\displaystyle N=6} zu folgenden Wertentwicklungen fĂŒhren:cite-ref-24[24]

| Gesetz | Wert ( N {\displaystyle N} Teilnehmer) | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | Beispiele |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Sarnoff-Gesetz | N | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | Radio , Fernsehen |
| Metcalfesches Gesetz | N 2 | 1 | 4 | 9 | 16 | 25 | 36 | Telefonnetz , E-Mail |
| Reedsches Gesetz | 2 N - N - 1 | 0 | 1 | 4 | 11 | 26 | 57 | soziale Netzwerke , Chat-Foren |
| n * log(n) | n * log(n) | 0 | 0,602059991 | 1,431363764 | 2,408239965 | 3,494850022 | 4,668907502 | |

Das Sarnoff-Gesetz geht davon aus, dass der Nutzwert von Netzwerken linear mit der Anzahl der Nutzer steigen kann (englisch one-to-many; Wert: N {\displaystyle N} ). 1920 erstellte der bei RCA tĂ€tige Sarnoff einen Bericht, in welchem er die Massenproduktion eines RadiogerĂ€tes als „Radio Music Box“ vorschlug, dem er eine hohe Nachfrage voraussagte.cite-ref-25[25] Der Unternehmenswert einer Rundfunkanstalt entwickele sich daher proportional zur Zahl der Rundfunkteilnehmer.

Das 1965 von Gordon Moore entwickelte Mooresches Gesetz unterstellt, dass die KomplexitÀt integrierter Schaltkreise sich mit minimalen Komponenten-Kosten verdoppele. Daraus kann abgeleitet werden, dass sich die Rechnerleistung alle 12 bis 24 Monate verdoppelt, was sich auf die KapazitÀt von Netzwerken auswirkt.cite-ref-26[26]

Beim Metcalfeschen Gesetz entwickelt sich der Nutzwert im Quadrat zur Anzahl der Nutzer. Obwohl das Gesetz erstmals 1980 beschrieben wurde, konnte Metcalfe diese GesetzmĂ€ĂŸigkeit anhand der Nutzerzahlen von Facebook erstmals 2013 nachweisen.cite-ref-27[27] (englisch many-to-many; Wert: N 2 {\displaystyle N^{2}} )

Das Reedsche Gesetz ist eine Erweiterung des Metcalfeschen Gesetzes und betrifft Internet-basierte Netzwerke, die viele Untergruppen oder Teams bilden wie WhatsApp oder Slack. Es geht davon aus, dass sich die Anzahl der Benutzer verdoppelt (englisch many-to-many; Wert: 2 N − − N − − 1 {\displaystyle 2^{N}-N-1} ).

Beckstroms Gesetz aus 2009 betrachtet nicht die GrĂ¶ĂŸe eines Netzwerks oder den Wert der Interaktionen, sondern vielmehr den Wert der Transaktionen innerhalb des Netzwerks.cite-ref-28[28] „Der Wert eines Netzwerks ist identisch mit dem Netto-Economic Value Added jeder einzelnen Transaktion eines Benutzers, der durch dieses Netzwerk geleitet wird, zusammengefasst ĂŒber alle Benutzer“. Als Beispiel vergleicht er den Kauf eines Buchs in der Buchhandlung fĂŒr US$ 26 und ĂŒber das Internet fĂŒr US$ 16 einschließlich Versandkosten, dann betrĂ€gt der Netto-Economic Value Added US$ 10.cite-ref-29[29] Rod Beckstrom war Direktor des National Cybersecurity Center, wo er im MĂ€rz 2009 wegen der Dominanz der NSA zurĂŒcktrat, und stellte folgende These auf: „Alle mit dem Internet verbundenen GerĂ€te können gehackt werden, alle GerĂ€te sind mit dem Internet verbunden und können deshalb gehackt werden.“cite-ref-30[30] Das Gesetz betrachtet einfach den Preisunterschied, der einem Benutzer zugutekommt, wenn er im Internet preiswerter einkaufen kann als im Offline-Handel.cite-ref-31[31]

Theorie der zweiseitigen MĂ€rkte

Charakteristisch fĂŒr einen zweiseitigen Markt ist das Aufkommen indirekter Netzwerkeffekte auf beiden Seiten eines Marktes (GĂŒterangebot und GĂŒternachfrage). Sie beziehen sich auf die jeweils andere Marktseite, d. h., dass indirekte Netzwerkeffekte einen Einfluss auf die Nachfrage am jeweils anderen Markt nehmen.

Beispiele fĂŒr zweiseitige MĂ€rkte und Plattformen sind AuktionshĂ€user, Börsen, Einkaufszentren, Medienunternehmen oder MĂ€rkte fĂŒr Software und Videospiele. Auf diesen zweiseitigen MĂ€rkten kommt dem IntermediĂ€r eine besondere Funktion zu. IntermediĂ€re betreiben Plattformen und fungieren als Vermittler von Transaktionen zwischen den Marktseiten. Gegenstand der Transaktionen sind neben physischen Produkten die Herstellung von Kontakten bzw. die Vermittlung von Informationen wie z. B. bei Medien. Medien gewĂ€hren der werbetreibenden Industrie Zugang zu ihrem Publikum, dieses wiederum wird durch die werbetreibende Industrie informiert.cite-ref-dewenter-32-0[32]

Beispielsweise versucht das Medienunternehmen Zeitung am Leser- und Anzeigenmarkt optimale Preise (oder Mengen) zu setzen, um den Gewinn aus beiden Erlösquellen zu maximieren. Eine Zeitung stellt einen IntermediĂ€r dar. Bedingungen der Maximierung ist, neben den Kriterien einseitiger MĂ€rkte, die Kenntnis ĂŒber die StĂ€rke der beidseitigen indirekten Netzwerkeffekte. Kenntnis ĂŒber anfallende Kosten, Zahlungsbereitschaften und PreiselastizitĂ€ten sind die Maximierungskriterien in einem einseitigen Markt. Welche Preise (oder Mengen) vom IntermediĂ€r gesetzt werden, hĂ€ngt insbesondere vom VerhĂ€ltnis der relativen Netzwerkeffekte ab. Relative Netzwerkeffekte werden determiniert von fixen und variablen Kosten, dem Prohibitivpreis und der PreiselastizitĂ€t der Nachfrage.cite-ref-dewenter-32-1[32]

Die Summe der relativen indirekten Netzwerkeffekte ist maßgebend fĂŒr die Auswirkungen der Zweiseitigkeit. Überwiegt in der Summe der positive Netzwerkeffekt, kann erstens eine höhere Menge umgesetzt werden als in einseitigen MĂ€rkten, und zweitens eine Plattform nur in diesem Fall die Existenz indirekter Netzwerkeffekte ausnutzen. Falls negative Netzwerkeffekte die positiven ĂŒberwiegen, liegt die umgesetzte Menge unterhalb derer in einseitigen MĂ€rkten.

Ursachen

KomplementÀre Produkte und Dienste

KomplementĂ€re Produkte und Dienste werden gemeinsam nachgefragt bzw. angeboten. Das Basisprodukt besitzt seinen eigenen Nutzen, doch erst durch komplementĂ€re Produkte bzw. Dienste kann ein umfangreicher Nutzen fĂŒr den Konsumenten erreicht werden. Ein Gut gewinnt an Nutzen, wenn eine möglichst breite Auswahl an komplementĂ€ren Produkten und Diensten vorhanden ist.

Vermehrte Nachfrage nach dem Basisprodukt kann dazu fĂŒhren, dass die angebotene Anzahl des KomplementĂ€rprodukts steigt, da aufgrund der erhöhten Nachfrage das Produktfeld an AttraktivitĂ€t fĂŒr weitere Anbieter und Hersteller gewinnt. Durch erhöhte Produktion sinken die Kosten, falls sinkende Grenzkosten vorliegen. Wenn dies der Fall ist, gewinnt das Netzwerk an Nutzern, was wiederum zu erhöhtem Nutzen fĂŒr alle Teilnehmer und einem niedrigeren Preis (weniger Kosten) aller GĂŒter fĂŒhrt. Das Netzwerk wird fĂŒr potentielle Nutzer attraktiver. Nutzer und Anbieter bzw. Hersteller können von dieser Situation profitieren. Mit steigendem Nutzen fĂŒr die Anwender sowie aufgrund des AttraktivitĂ€tsgewinns auf Seiten der Anbieter bzw. Hersteller können die Zahlungsbereitschaften der Konsumenten steigen. Erhöhte Zahlungsbereitschaften können höhere Preise fĂŒr das Produkt rechtfertigen.cite-ref-uniklt-23-1[23]

Falls die Nachfrage fĂŒr das Basisprodukt sinkt, könnte daraufhin auch die Nachfrage nach komplementĂ€ren Produkten bzw. Diensten sinken.

Lerneffekte

Es gibt zwei Arten von Lerneffekten (englisch information spillovers):

‱ Indirekte Netzwerkeffekte liegen bei innovativen Technologien vor. Vor der MarkteinfĂŒhrung einer innovativen Technologie ist nicht klar, wie sich diese neben konkurrierenden Standards durchsetzen wird und welche Anwendungen von den Nutzern prĂ€feriert werden. Es herrscht Unsicherheit ĂŒber die Auswirkungen auf den Konsumenten.

Sony entwickelte in den siebziger Jahren den Videorecorder Betamax. Betamax war ursprĂŒnglich fĂŒr den Endverbraucher als privates Aufzeichnungsmedium konzipiert. Damals war noch nicht klar, dass Videorekorder auch dafĂŒr genutzt werden können, um bereits beschriebene Kassetten (wie beispielsweise Spielfilme) abzuspielen. Das Anwenderverhalten machte diese Möglichkeit ersichtlich. Betamax konnte sich allerdings nicht gegen das konkurrierende VHS-System (JVC) durchsetzen. Es wird ersichtlich, inwiefern das Anwenderverhalten der Konsumenten hinsichtlich des Erschließens von Anwendungsmöglichkeiten und der Eigenschaften der Technologie bestimmend sein kann. Die Konsumenten lernen, mit der innovativen Technologie umzugehen, und es besteht die Chance, durch den Gebrauch neue Einsatzmöglichkeiten zu entdecken. Dies stellt einen Lerneffekt dar, von dem der Hersteller zur Optimierung seines Produktes Gebrauch machen kann. Außerdem entstehen neue Möglichkeiten fĂŒr komplementĂ€re GĂŒter.cite-ref-uniklt-23-2[23]

‱ Neben innovativen Technologien entstehen Lerneffekte aufgrund von sehr starken Neuerungen. Radikale Innovationen sind mit technischer Ungewissheit verbunden. Wenn potentielle Nutzer das Ausmaß der EffektivitĂ€t einer neuen Technologie noch nicht einschĂ€tzen können, kommen Lerneffekten eine zentrale Rolle zu. Werden durch den Lerneffekt eines Konsumenten neue Informationen ĂŒber das Produkt generiert, fĂŒhrt dies zu einem sich selbst verstĂ€rkenden Prozess. Potentielle Nutzer erhalten Informationen ĂŒber das Produkt, insbesondere ĂŒber die Anwendungsgebiete der neuen Technologie, wodurch die Ungewissheit reduziert wird. Schließlich fĂ€llt die Entscheidung auf die Technologie mit der minimierten Ungewissheit.cite-ref-uniklt-23-3[23]

Nachfrageseitige Skaleneffekte und positiver Feedback-Effekt

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Hauptartikel

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Feedback-Effekt

Nachfrageseitige Skaleneffekte (auch positive Netzwerkeffekte) sind die Ursache fĂŒr (temporĂ€re) Monopole oder Monopolisierungen auf MĂ€rkten mit Netzwerkeffekten. Sie haben Einfluss auf die Marktdynamik und auf Wettbewerbsstrategien. Nachfrageseitige Skaleneffekte ergeben sich aus dem positiven Feedback-Effekt. Der positive Feedback-Effekt beschreibt, dass durch eine höhere Nutzerzahl der Wert eines Netzwerkes steigt, was wiederum weitere Nutzer ermutigt, dem Netzwerk beizutreten. Es handelt sich um einen selbst verstĂ€rkenden Prozess. MĂ€rkte, auf denen positive Feedback-Effekte auftreten, weisen oftmals eine hohe Konzentration auf. Wenn eine steigende Nutzerzahl weitere Nutzer anzieht, kann es im Extremfall vorkommen, dass ein Unternehmen alleine den ganzen Markt beherrscht.cite-ref-33[33] Positive Feedback-Effekte fĂŒhren also zu sogenannten Winner-Takes-It-All-MĂ€rkten: „Positive Feedback makes the strong grow stronger and the weak grow weaker.“cite-ref-34[34]

Die Entwicklung eines solchen Marktes hÀngt von den Konsumenten ab. Sie wÀhlen die Technologie oder den Standard, der von den meisten Benutzern konsumiert wird.

Neben positiven Feedback-Effekten existieren auch negative Feedback-Effekte. Der negative Feedback-Effekt schwĂ€cht den dominierenden Marktakteur und stĂ€rkt den unterlegenen Marktakteur, bis die Marktanteile sich auf einem bestimmten Niveau angleichen: „In a negative-feedback system, the strong get weaker and the weak get stronger, pushing both toward a happy medium.“cite-ref-35[35]

Der typische Verlauf eines positiven Feedbacks durchlĂ€uft drei Phasen: Launch, Marktwachstum (englisch Takeoff) und MarktsĂ€ttigung. Der Verlauf wird durch das Verbreitungskonzept einer S-Kurve dargestellt. In der Launch-Phase ist die Adoption eines neuen Produkts bzw. einer innovativen Technologie langsam. Das Produkt bzw. die Technologie ist noch nicht vollstĂ€ndig entwickelt, und es bestehen hohe Kosten in Form von Unsicherheit darĂŒber, ob der Markteintritt erfolgreich sein wird. Erreicht der Markt in der Takeoff-Phase die kritische Masse, nimmt die Unsicherheit ab. Wenn der Wert des Produktes bzw. der Technologie steigt, beginnt die Beschleunigung des positiven Feedback-Effekts, und der Markt wĂ€chst von selbst. In der SĂ€ttigungsphase nimmt sie ab, da ein Punkt erreicht wird, an dem fast alle potentiellen Kunden dasselbe Produkt bzw. dieselbe Technologie nutzen und kaum noch neue Nutzer zum Netzwerk hinzukommen.

Die kritische Masse ist fĂŒr den Erfolg eines Produktes bzw. einer Technologie entscheidend. Wird sie nicht erreicht, tritt der positive Feedback-Effekt nicht auf und die Technologie bzw. das Produkt setzt sich im Markt nicht durch.

Besonders in der Software-Industrie entstehen positive Feedback-Effekte durch nachfrageseitige Skaleneffekte. Mit ihnen lÀsst sich auch die Marktdominanz des Softwareunternehmens Microsoft erklÀren. Das Betriebssystem Microsoft Windows wird vom Netzwerk der Konsumenten geschÀtzt, weil es im Markt die kritische Masse erreicht hat und gegenwÀrtiger Industriestandard ist.cite-ref-buxmann-36-0[36]

Nachfrageseitige Skaleneffekte weisen die Eigenschaft auf, dass sie unerschöpflich sind. Wenn jeder Microsoft Windows benutzt, dann werden potentielle Neukunden auch Microsoft Windows nutzen. Dies liegt daran, dass der Netzwerknutzen aufgrund des einfacheren Datenaustauschs durch die KompatibilitÀt mit den vielen anderen Nutzern höher ist als bei einem anderen Betriebssystem.

Die positive Beziehung zwischen PopularitĂ€t und Wert einer Software beschrieben Shapiro/Varian 1999 anhand von Zyklen.cite-ref-37[37] Dabei unterscheiden sie zwischen dem Virtuous cycle und dem Vicious cylce. Im Fall des Softwareanbieters Microsoft spricht man von einem Virtuous cycle. Mit steigender Benutzerzahl steigt auch der Wert eines Produktes, und nach Erreichung der kritischen Masse erhöht sich die Benutzerzahl nahezu automatisch. Das Gegenteil dazu bildet der Vicious cycle. Wenn die kritische Masse nie erreicht wird, sinkt die Benutzerzahl frĂŒher oder spĂ€ter. Der Wert des Produktes fĂŒr den einzelnen nimmt aufgrund des verkleinerten Netzwerkes ab, weitere bisherige Nutzer gehen verloren und so weiter.

Monopolbildung

MĂ€rkte, in denen starke positive Netzwerkeffekte und Feedback-Effekte eine Rolle spielen, neigen zur Bildung von Monopolen: „When two or more firms compete for a market where there is strong positive feedback, only one may emerge as a winner. It’s unlikely that all will survive.“cite-ref-38[38] Diese MĂ€rkte werden als tippy bezeichnet. Ein Markt ist tippy, wenn nur einer von mehreren Konkurrenten es schafft, die kritische Masse zu erreichen, und sich dadurch durchsetzt. MĂ€rkte, die tippy sind, sind gleichzeitig Winner-takes-it-all-MĂ€rkte bzw. Loser-gets-nothing-MĂ€rkte. GestĂŒtzt werden diese Überlegungen durch Beobachtungen auf SoftwaremĂ€rkten.cite-ref-buxmann-36-1[36] Beispielsweise wurden einstige Alternativen zu Microsoft-BĂŒroanwendungen, wie etwa das Textverarbeitungsprogramm WordPerfect oder Lotus 1-2-3 zur Tabellenkalkulation im Laufe der 1990er-Jahre völlig verdrĂ€ngt. Erst mit dem stĂ€rkeren Aufkommen von Open-Source-Software in den 2000er-Jahren (z. B. OpenOffice, LibreOffice) sowie von aus der Cloud bereitgestellter Software in den 2010er-Jahren (z. B. Google Docs Editors) entstand wieder etwas mehr Wettbewerb. Monopole auf Winner-takes-it-all-MĂ€rkten lassen sich folglich besonders gut aufbrechen, wenn sich die Spielregeln oder Marktbedingungen Ă€ndern.

Problematik von Netzwerkeffekten

PfadabhÀngigkeit

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PfadabhÀngigkeit

Der Wettbewerb in NetzeffektmĂ€rkten besitzt das Charakteristikum der PfadabhĂ€ngigkeit. Das bedeutet, dass er von vorangegangenen Entscheidungen der Produzenten und Konsumenten stark beeinflusst wird. Selbst kleine und gegebenenfalls zufĂ€llige Ereignisse können einen Einfluss auf den Erfolg von Produkten und Technologien haben.cite-ref-39[39] Durch positive Feedback-Effekte wird die PfadabhĂ€ngigkeit verstĂ€rkt. Sie fĂŒhren dazu, dass sich Entwicklungen auf (zufĂ€llig) ausgewĂ€hlten Pfaden von selbst beschleunigen. Aus ihnen kann ein Lock-in-Effekt resultieren, also eine VerhĂ€rtung eines eingeschlagenen Pfades. Gegebenenfalls kann die Weiterentwicklung von ineffizienten Strukturen also rentabler sein als sie abzuschaffen, da sie schon sehr weit verbreitet sind.

Lock-in-Effekt und Wechselkosten

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Lock-in-Effekt

Der Lock-in-Effekt bezeichnet den Zustand des „Gefangen-Seins“ von Konsumenten in einem System in Form eines Standards oder einer Technologie. Durch hohe Wechselkosten fĂŒr den Nutzer zu einem anderen System bzw. Netzwerk wird der Lock-in-Effekt verstĂ€rkt. Der Lock-in-Effekt ist ein Mittel der Netzwerkanbieter, um ihre Kunden an sich zu binden und weiterhin an ihnen zu verdienen.

Lock-In-Effekte durch hohe Wechselkosten können entstehen durch Suchkosten, die durch das Suchen nach einem neuen Produkt entstehen, Investitionskosten, die fĂŒr die Nutzung der Technik des neuen Produkts nötig sind, Lernkosten, wenn das Erlernen von Funktion und Charakter des neuen Produkts Aufwand bedeutet, kĂŒnstliche Wechselkosten, beispielsweise durch Vertragsbindung oder Bonusprogramme, sowie psychologische Wechselkosten, wenn Gewohnheiten und Bindungen an das alte Produkt eine Rolle spielen.cite-ref-40[40]

Durch Penetrationsstrategien und Follow-the-Free-Strategien können Lock-in-Effekte erzielt werden. Die Penetrationsstrategie intendiert darauf, durch niedrige Preise möglichst schnell Marktanteile zu gewinnen. Besonders im Softwaremarkt findet diese Strategie aufgrund der Netzwerkeffekte große Anwendung. Im Falle einer Follow-the-free-Strategie verschenken Unternehmen zunĂ€chst ihre Produkte, um Kunden an ihr Unternehmen zu binden. In einem zweiten Schritt sollen durch den Verkauf von KomplementĂ€rleistungen Erlöse erzielt werden.cite-ref-41[41] Ein Beispiel in der Praxis ist das Softwareunternehmen Adobe Inc. Es bietet zunĂ€chst den Acrobat Reader, welcher zum Darstellen von PDF-Dokumenten verwendet werden kann, kostenlos an. Das KomplementĂ€rprodukt, die Premiumversion der Software zur Herstellung von PDF-Dokumenten, ist jedoch kostenpflichtig.cite-ref-42[42]

Pinguin-Effekt

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Pinguin-Effekt

Der Pinguin-Effekt bezeichnet ein Informations- bzw. Koordinationsproblem. Vor allem in der Softwareindustrie kann dieser Effekt ein Hindernis fĂŒr neue Standards darstellen. Er beschreibt die Problematik, dass sich ein industrieweiter Standard nur schwierig durch einen neuen und womöglich besseren Standard verdrĂ€ngen lĂ€sst, obwohl dieser den Nutzen von betroffenen Marktteilnehmern erhöhen könnte. Grund ist die unvollkommene Information darĂŒber, ob ein Übergang zum neuen Standard tatsĂ€chlich stattfinden wird. Potenzielle Umsteiger sind unsicher, ob der entgangene Netzwerknutzen durch den alten Standard mit dem Zugewinn durch den neuen Standard kompensiert werden kann.

Der Pinguin-Effekt erhielt seinen Namen durch folgende Anekdote von Farrell und Saloner:cite-ref-43[43] „Hungrige Pinguine stehen am Rande einer Eisscholle. Aus Angst vor Raubfischen hoffen sie, dass andere Pinguine zuerst ins Wasser springen, um das damit verbundene Risiko – nĂ€mlich Opfer eines Raubfisches zu werden – auszuloten. Sobald einige Pinguine den Sprung gewagt haben, hat sich die Gefahr fĂŒr die anderen Pinguine verringert und die „Trittbrettpinguine“ folgen nach.“cite-ref-buxmann-36-2[36]

Vor allem in der Launch-Phase ist der Pinguin-Effekt ein großes Hindernis. Junge Softwareunternehmen haben mit der Schwierigkeit zu kĂ€mpfen, glaubhaft versichern zu mĂŒssen, dass sich ein neues Produkt flĂ€chendeckend durchsetzen und Netzwerkeffekte generieren wird. Ziel ist es, den Pinguin-Effekt zu vermeiden und die kritische Masse zu erreichen.

Schocks und Ansteckungseffekte

Schocks und Ansteckungseffekte können Risiken fĂŒr Netzwerkeffekte darstellen. Ein Schock tritt plötzlich auf und bewirkt eine VerĂ€nderung im Angebot oder in der Nachfrage in einer Volkswirtschaft. Ein Ansteckungseffekt beschreibt die Übertragung eines Schocks oder einer Krise auf scheinbar unbetroffene Volkswirtschaften. Die europĂ€ische Staatsschuldenkrise wurde beispielsweise von Schocks und Ansteckungseffekten beeinflusst. Griechische Staatsanleihen bargen hohe Unsicherheit, da ihre BonitĂ€t sank. AuslĂ€ndische Banken, die griechische Staatsanleihen gekauft hatten, waren von einem Schock betroffen, aus dem sich ein Ansteckungseffekt ableitete. Weitere europĂ€ische Banken wurden infiziert, was letztendlich zu einer Krise im europĂ€ischen Finanznetzwerk fĂŒhrte.cite-ref-broll-44-0[44]

Instabile Netzwerke werden von negativen Schocks generell stĂ€rker beeinflusst als stabile. Ein Schock kann in sehr komplexen Netzwerken zu einem Ansteckungseffekt fĂŒhren und somit auf andere Teilnehmer eines Netzwerkes ĂŒbergreifen. Die WiderstandsfĂ€higkeit gegen diese Risiken wird von der KonnektivitĂ€t, Konzentration und der KomplexitĂ€t der Netzwerke determiniert. Ein Netzwerk ist umso resistenter gegen Schocks und Ansteckungseffekte, je niedriger die KomplexitĂ€t und Konzentration und je grĂ¶ĂŸer die KonnektivitĂ€t ist.cite-ref-broll-44-1[44]

Schneeballeffekt

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Hauptartikel

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Schneeballeffekt

Das Beispiel der europĂ€ischen Staatsschuldenkrise beschreibt auch ein weiteres Risiko von Netzwerkeffekten, den Schneeballeffekt. Der Schneeballeffekt sagt aus, dass sich ein kleiner Effekt durch eine Kettenreaktion schnell verstĂ€rken und sich im gesamten Netzwerk ausbreiten kann. Dieser Effekt kann negative Auswirkungen auf alle Teilnehmer im Netzwerk ausĂŒben.

Wirtschaftliche Aspekte

Netzwerkeffekte erhöhen den Nutzen, Skaleneffekte verringern die Kosten und positive Feedback-Effekte verbessern die Produkt- oder DienstleistungsqualitĂ€t.cite-ref-45[45] Dem Metcalfeschen Gesetz zufolge steigt der Nutzwert eines Netzwerks im Quadrat zur Anzahl seiner Teilnehmer, wĂ€hrend die Kosten nur linear zur Teilnehmerzahl selbst wachsen. Skaleneffekte haben die Massenproduktion in Netzwerken ermöglicht, Netzwerkeffekte haben der Informationswirtschaft die Schubkraft gegeben, Feedbackeffekte werden die Wertschöpfung um die kĂŒnstliche Intelligenz beherrschen. Ein Feedbackeffekt liegt beispielsweise vor, wenn jemand in Google einen Suchbegriff einzugeben versucht und ihm Google sofort einen Vorschlag unterbreitet. Dies sind Feedbackdaten, weil andere Nutzer vorher Google bereits danach durchsucht hatten. In der Informatik werden solche Feedbackdaten durch Algorithmen ausgewertet.

Im Hinblick auf den Netzwerkeffekt steht das Netzmanagement eines Netzbetreibers vor dem Dilemma, einerseits eine zu niedrige Netzlast wegen steigender StĂŒckkosten (fehlende Kostendegression) zu vermeiden, andererseits bei beginnendem Netzwerkeffekt NetzĂŒberlastungen wegen der Gefahr von Netzstörungen zu verhindern. Der positive Netzwerkeffekt verwirklicht in Netzwerken das Gesetz der Massenproduktion.

Siehe auch
Literatur

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Weblinks

‱ Netzwerkeffekte: Theoretische Grundlagen (PDF) Technische UniversitĂ€t Kaiserslautern, 2014; abgerufen am 14. Juni 2015

Einzelnachweise

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